Die Geschichte der E-Gitarre
Leo Fender und die Geburt der Solidbody-E-Gitarre
Vor den 1950er Jahren waren E-Gitarren fast immer akustische Gitarren, die mit einem Tonabnehmer am Korpus „elektrifiziert“ wurden — mit allen Feedback- und Sustain-Einschränkungen, die dies mit sich brachte. Leo Fender aus Fullerton, Kalifornien, drehte das Problem um: Wenn der massive Korpus nicht wie bei einer akustischen Gitarre schwingen muss, um den Klang zu verstärken, dann konnte ein Instrument von Grund auf für die Elektronik entwickelt werden — einfach in der Serienfertigung und leicht zu reparieren.
Die Telecaster (1950-51): die erste erfolgreiche Solidbody-Serienproduktion
1950 als Esquire eingeführt, dann Broadcaster, 1951 wegen eines Namenskonflikts mit einer anderen Firma in Telecaster umbenannt, ist sie die erste industriell in großem Maßstab produzierte Solidbody-E-Gitarre. Ein einziger einfacher Korpus, ein angeschraubter Hals (nicht verleimt, um den Austausch zu erleichtern), zwei Singlecoil-Tonabnehmer: ein essenzielles Design, das über 70 Jahre lang nahezu unverändert geblieben ist und noch heute für seinen brillanten, klaren Anschlag geschätzt wird.
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Der Precision Bass (1951): der erste in Serie produzierte E-Bass
Etwa zur gleichen Zeit stellte Fender den Precision Bass vor: den ersten industriell gefertigten Solidbody-E-Bass mit Bünden. Der Name „Precision“ kommt genau von den Bünden, die eine präzise Intonation im Vergleich zum traditionellen Kontrabass garantieren, bei dem die Tonlage vollständig vom Gehör des Musikers abhängt. Er ist das Instrument, das den E-Bass zum Standard in Bands machte und den Kontrabass in weiten Teilen der populären Musik allmählich verdrängte.
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Die Stratocaster (1954): die Weiterentwicklung
Vier Jahre nach der Telecaster brachte die Stratocaster alles, was noch fehlte: einen konturierten Korpus (für mehr Komfort geformt, nicht mehr ein flaches Brett), drei Singlecoil-Tonabnehmer statt zwei und eine Brücke mit integriertem Vibrato („Tremolo“) zum Verbiegen der Tonhöhe. Sie ist zur meistkopierten und erkennbarsten E-Gitarre der Welt geworden, gespielt in jedem Musikgenre.
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Die weniger bekannten Modelle
Über die drei Grundpfeiler hinaus hat Fender mit Modellen für unterschiedliche Zielgruppen experimentiert: Die Jazzmaster (1958) mit ihrem Offset-Korpus und eigenen Reglern wurde für Jazzgitarristen entwickelt (die sie zunächst schnitten, bevor sie später vom Surf Rock und Jahrzehnte danach vom Indie Rock wiederentdeckt wurde); die Jaguar (1962) trägt denselben Offset-Korpus mit kürzerer Mensur und noch aufwendigeren Reglern; der Bass VI (1961) ist ein sechssaitiger Bass, eine Oktave unter der Gitarre gestimmt, für einen hybriden Gitarren-Bass-Klang konzipiert; die Electric XII ist eine Zwölfsaitengitarre für den Folk-Rock-Sound der 1960er Jahre. Nischenmodelle im Vergleich zu Telecaster/Stratocaster/Precision, die aber zeigen, wie sehr Fender über seine drei berühmtesten Entwürfe hinaus weiter experimentierte.